Mode mit Mehrwert aus dem Unterallgäu

Aktualisiert: Sept 18


Die Gründer von mehrAmore: Melli, Fabi, Andi

Eigentlich wollte Melanie Wirth nur ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Doch dann gründete sie zusammen mit ihrem Bruder und einer Freundin innerhalb weniger Wochen ein eigenes Modelabel mit Aussagekraft.


Als Ende Mai Tausende in den USA und Europa „Black lives matter“(Schwarze Leben zählen) skandierten, wollte auch die Mindelheimer Fotografin Melanie Wirth ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Für das Fotoprojekt, das ihr vorschwebte, suchte die 34-Jährige über Instagram Mitstreiter – und bekam wenig später eine Nachricht von Grafikdesignerin Andrea Jall aus Mussenhausen. Sie hatte die Proteste gegen Rassismus im Fernsehen gesehen, war mehreren schwarzen Frauen auf Instagram gefolgt und erschüttert, was sie in ihrem Alltag regelmäßig an Rassismus erleben müssen. „Ich sitze daheim und kann nichts tun“, hatte sie sich gedacht – und dann Melanie Wirths Aufruf gesehen.


Die Mindelheimerin suchte Statement-T-Shirts für eine Fotokampagne

Die Frage, wie sie helfen kann, ist schnell geklärt: Für das Fotoprojekt möchte Melanie Wirth ihre Modells in Statement-T-Shirts fotografieren, die aber fehlen noch. Könnte die Grafikdesignerin da vielleicht mit ein, zwei Entwürfen weiterhelfen? Sie kann – und schickt nicht nur zwei, sondern gleich zwanzig Entwürfe, die Melanie Wirth so gut gefallen, dass sie sie an Freunde und Familie weiterschickt und sie nach ihren Favoriten fragt, um eine Auswahl zu treffen. Während sie sich überlegt, dass all die Entwürfe für nur ein Projekt doch eigentlich viel zu schade sind, meldet sich ihr Bruder, Fabian Holzmann, und fragt unumwunden: „Machst du ein Label? Ich bin dabei.“


Und Melanie Wirth und Andrea Jall, beide erst ein bisschen überrumpelt, sind es auch. Schließlich sind beide modeaffin: Melanie Wirth trägt selbst gerne Statement-Shirts und zeigt ihre Outfits regelmäßig auf Instagram und Andrea Jall hat als Graphikdesignerin bei der Zeitschrift „Glamour“ zudem erste Einblicke in die Modebranche gesammelt. „Warum nicht?“, fragen sie sich also und legen los: Ende Mai trifft sich das Trio zum ersten Mal, nur gut zwei Monate später meldet Fabian Holzmann das Modelabel „mehr Amore“ an. Der Slogan steht für das, was den dreien wichtig ist: ein offener Blick auf die Welt, ohne Ausgrenzung, Vorurteile und blinden Hass, einfach mehr Liebe eben. „Weil mehr Amore ist ja nie verkehrt“, sagt der 28-jährige Kammlacher.


Der Alltagsrassismus findet auch vor der eigenen Haustür statt

„Mit unserer ersten Kollektion wollen wir auf den Alltagsrassismus vor unserer Haustür aufmerksam machen und dafür sensibilisieren“, erklärt Melanie Wirth. „Rassismus betrifft ja nicht nur Schwarze, sondern eigentlich alle, die irgendwie anders sind als die Gesellschaft das vielleicht erwartet“, sagt ihr Bruder Fabian und Andrea Jall ergänzt: „Es geht um mehr Diversität und darum, wie bereichernd Vielfalt sein kann.“ Die 35-Jährige ist viel gereist und hat die Erfahrung gemacht, dass die Menschen überall auf der Welt eigentlich nur eines wollen: In Frieden leben.


„Wir sind bunt“ ist der Titel der ersten Kollektion, die sich – zumindest vorerst – noch auf T-Shirts beschränkt. Sie zeigen graphische Motive ganz ohne Schrift, aber auch Schriftzüge wie „Diversity“, „Better together“ unter der Zeichnung einer Schwarzen und einer Weißen, die einander umarmen, oder kurz „BLM“ für „Black lives matter“. Die Roh-T-Shirts, die das Trio von einem Großhändler in Dortmund bezieht, sind fairtrade-zertifiziert und aus Bio-Baumwolle. „Wir wollten Shirts, die ethisch korrekt sind“, sagt Andrea Jall. Bedruckt werden sie nach ihren Entwürfen in Neugablonz und schließlich über den jüngst gegründeten Online-Shop verkauft. Weil es keine Lagermöglichkeiten gibt, kann man das T-Shirt im Shop vorbestellen, erst dann wird es auch produziert.


Je nach dem wie groß die Nachfrage ist, sollen weitere Kollektionen folgen. Geplant sind Statement-Shirts, Hoodies und Caps, deren Aufschriften zum Firmennamen „mehr Amore“ passen. „Das lässt ja viel Spielraum“, sagt Andrea Jall und lacht. Das Label ist dabei nicht in erster Linie auf Gewinn angelegt. „Die Kosten sollen halt gedeckt sein“, sagt Melanie Wirth. Zehn Prozent des Verkaufserlöses ihrer ersten Kollektion wollen sie und ihre Mitstreiter außerdem an das Grandhotel Cosmopolis in Augsburg spenden, das sich selbst als „gesellschaftliches Gesamtkunstwerk“ bezeichnet: Asylbewerber und Hotelgäste leben hier zusammen, es gibt Ateliers und Kunstprojekte, eine Bürgergaststätte und eine Café-Bar.


Die drei Unterallgäuer sind neugierig, auf alles, was "mehr Amore" mit sich bringt

Vorerst soll das Modelabel ein zweites berufliches Standbein bleiben. „Ich gehe nach wie vor gerne zu Grob“, sagt Fabian Holzmann, der dort als Monteur arbeitet, aber schon immer Lust hatte, nebenbei etwas ganz anderes und vor allem eigenes zu machen. Für seine Schwester steht weiterhin die Fotografie im Mittelpunkt und auch Andrea Jall, die derzeit in Elternzeit ist, möchte nicht komplett auf „mehr Amore“ setzen. „Aber wir sind neugierig auf alles, was kommt“, sagt sie. Was das ist, können ihre Follower auf Instagram unter @mehramore.shirtliebe mitverfolgen.



Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/mindelheim/Mode-mit-Mehrwert-aus-dem-Unterallgaeu-id57939421.html

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